Berlin 10. - 18. Oktober 1981

x

Sich nach 26 Jahren noch an diese Tage zu erinnern ist nicht ganz einfach. Einzelne Moment sind noch ganz präsent, z.B. der Abend bei Walli Bauer in der Kneipe. Ich hoffe, mit vereinten Kräften können wir diese Tage wiedergeben. 

Wir fuhren dieses Mal mit dem Zug und hatte zwei Mütter dabei, die in einem Hotel wohnten. Wir wohnten in der Jugendherberge an der Kurfürstenstraße, alle sechs in einem Zimmer. An das Chaos kann ich mich noch gut erinnern und an den Duft von "My Melodie". Der Duft war damals total angesagt. Heute würde man sagen, das Zeug roch nach Paral. 

Wir fühlten uns unheimlich erwachsen damals. Wir brauchten uns bei den Muttis nur einmal am Tag melden und sonst waren wir allein auf den Spuren der Teens unterwegs. Die Adressen von den Jungs hatten wir schon bei unserem ersten Besuch in Berlin von irgendwo her. Die Berliner Sehenswürdigkeiten haben wir natürlich auch alle abgeklappert. Wir haben damals alles aufgesaugt, was mit Berlin zu tun hatte. 

x

 

Zu diesem Foto sollte man vielleicht sagen, dass sich unser Verhältnis 20 Jahre später doch gebessert hat.  

Elke fiel zu dem Treffen an Alex Haustür noch ein, dass seine Nachbarn an uns vorbei gingen. "Na Alex, musst du wieder Autogramme geben." Es war ihm wohl ziemlich peinlich und Elke auch. Danach wollte sie bei keinem mehr klingeln. Sie hatte ja schon von jedem ein Autogramm.  Mir ist dieser Besuch völlig entfallen. 

Von Jörgs Mutter Kati hatten wir quasi eine "Einladung" (siehe pdf). Ich kann mich aber ein Treffen überhaupt nicht mehr erinnern. Vielleicht können mir da die anderen Mädels noch mal auf die Sprünge helfen. 

Das Treffen mit Micha war sehr lustig. Dieser Kaninchenmantel, den er damals hatte - grauenvoll. Er fand ihn ganz toll. Die Fotos sind alle ziemlich daneben.  Wahrscheinlich haben wir vor Aufregung einfach nicht in Ruhe gezielt. 

Am 14. Oktober 1981 sind wir dann am Grenzübergang Heerstraße in die DDR gegangen und wurden dort von den Mädels aus Falkensee abgeholt, die wir im Juli 81 am "Palast der Republik" kennen gelernt hatten. Das war ganz schön aufregend für uns. Wir mussten auflisten, was wir in die DDR einführen und verschenken wollten: Teensbuch, Kaffe und Schokolade. Dann mussten wir 25 DM in DDR-Mark tauschen.

In Falkensee angekommen, mussten wir uns bei der örtlichen Polizei melden. Danach gingen wir erst mal in ein Gasthaus essen. Wir hatten das Gefühl alle starren uns an, so richtig wohl haben wir uns nicht gefühlt. Mit den Mädels (ein ER war auch dabei, Elke hatte einen Brieffreund) verstanden wir uns aber super. 

Die beiden Muttis saßen mit den Eltern oben im Wohnzimmer und wir tratschten Stunden über die Teens. Zum Abschied hab ich alle drei Mädels in meinem Tagebuch unterschreiben lassen, da hatte ich mir nichts bei gedacht. Die Mädels gaben uns auch noch eine Maschinen getippte "Teens-Fantasie-Geschichte" mit. Heute würde man dazu "Fanfiction"  sagen. Hätte ich damals schon "Das Leben der anderen" gesehen gehabt, hätten wir das Zeug da gelassen.

Die Eltern brachten uns wieder zum Grenzübergang, der am Abend noch furchterregender aussah als am Tag. Der eine Vater meinte: "Hier ist die Welt für uns zu Ende". Mann, haben wir uns beschissen gefühlt. Wir wussten gar nicht, was wir sagen sollten. Was das bedeutet, haben wir wirklich erst an diesem Tag verstanden.

Dann kamen die Kontrollen - wir mussten alle einzeln in einen Raum, Kugelschreiber und Lippenstift wurden auseinandergeschraubt. Im zackigen Ton Fragen gestellt. Was das für ein Buch sei. Das ist mein Reisetagebuch - und die Unterschriften da ? Wir waren 15 Jahre alt ! Woher sollten wir wissen, dass die mit "Geschriebenem" ein Problem hatten ? Den allergrößten Ärger brachte die getippte Geschichte. Petra und eine Mutter wurden bis kurz vor Mitternacht verhört. 

Elke und Mona waren die ersten, die wieder im Westen waren und gingen erst mal voller Panik zur Polizei. Conny, Biggi und ich kamen als nächste und dann saßen total fertig in der Wache. Die Polizisten beruhigten uns und meinten, länger als bis nach Mitternacht dürften die keinen festhalten, wenn nicht wirklich etwas vorliegt. So war es dann auch. Wir hatten dann aber so die Nase voll von der DDR, dass wir schworen, nie wieder einen Fuß da rein zu setzten.

An einem Abend sind wir zu der Kneipe von Roberts Mutter gefahren. Ich glaub, das Ding hieß Bauerntränke. Wir trauten uns erst nicht rein. Conja nahm sich ein Herz und fragte, ob wir reinkommen dürften und ob die Hoffnung besteht, dass Robert kommt. Sie war total süß und hat uns in diesen Extraraum gesetzt. 

Wir haben sehr lange gewartet und mussten den Ententanz aus der Musikbox einige male über uns ergehen lassen. Der Song war unheimlich angesagt bei den Kneipenbesuchern. Irgendwann kam Walli rein und teilte uns ganz traurig mit, dass Robert gerade abgesagt hatte. Sie schenkte uns noch jedem einen kleinen Würfelbecher, den sie mit "von Roberts Mutter" beschrifte hatte.